Ausstellung von JUDIT KOMLÓDI in der GUT Gallery
Die Figur des reisenden Menschen ist kein klassischer Tourist, sondern vielmehr jemand, der den Weg der eigenen Entwicklung, Grenzen, Stärken und Schwächen geht. Seine Erscheinung erinnert oft an einen Raumfahrer – einen Astronauten –, was für Unendlichkeit und Kontinuität steht.
Das Material der Ausstellung EXPEDITION besteht aus Werkreihen, die im vergangenen Jahr entstanden sind – sagt Judit Komlódi – bei denen ich mich mit dem Gießen in Schichten aus Kunstharz und der Verbindung mit Plexiglas beschäftigt habe, sowie mit der Frage der Transparenz. In den letzten Jahren habe ich bereits mehrfach mit Kunstharz gearbeitet; als Ergebnis meiner Experimente ist es mir gelungen, eine gut anwendbare Technik zu entwickeln, bei der ich die einzelnen kompositorischen Bildelemente auf unterschiedliche Schichten lege, die sich durch Variation der Aushärtungszeiten über- oder untereinander anordnen und interessante Oberflächen bilden. Ich verstehe die einzelnen Schichten als eigenständige gestalterische Ebenen, auf denen ich neben gemalten und grafischen Elementen auch übertragene Details und plastische Objekte als Collage einsetze. Durch die Variation der Schichten möchte ich die sich wandelnde Verstärkung kollektiver Erinnerungsspuren sichtbar machen.
Die Hauptfigur der Ausstellung ist der reisende Mensch, dessen Position stabil ist, während sich das ihn umgebende Material ständig verändert. Dieses veränderliche Material besteht aus weggeworfenen, veralteten, korrodierten Maschinenteilen, Elektroschrott, Computer-Motherboards, inneren Chips von Speicherkarten, abstrakten Formen, Zeichen, Abdrücken, transferierten Texten, Mustern und Motiven, die auf natürliche Strukturen anspielen.
Wiederkehrende Elemente in den Arbeiten sind die Robotik und die konstruktive Welt mechanischer Strukturen, deren widersprüchliche Präsenz unser Leben ständig beeinflusst und Auswirkungen auf die Unterschiede zwischen den Generationen hat – als eine Art kollektive Erinnerungsträger.
Als Folge des rasanten technologischen Fortschritts gelangen minütlich mehrere Tonnen Müll in unsere Umwelt, unzählige Geräte werden überflüssig. Solcher Elektroschrott taucht regelmäßig in den Arbeiten von Judit Komlódi auf – als eine Art bitteres Memento, als Sinnbild des Verfalls auf vielen Ebenen im Zeitalter der Beschleunigung.
In ihrer Serie mit dem Titel EXPEDITION stellt die Überlagerung von Erinnerungsbildern, die permanent aus dem Gedächtnis aufblitzen, eine Art Projektion des kollektiven Unbewussten dar.
Die Bilder besitzen – trotz ihrer Bewegungslosigkeit – eine unausweichliche, antreibende Kraft.
Das ist eine Expedition. Wir reisen, wir entdecken – mit Körper und Seele. Wir suchen nach Sinn im Unfassbaren. Wir suchen nach Erklärungen, nach uns selbst in der Welt – sowohl auf irdischer als auch auf universeller Ebene. In einem sich wandelnden Raum und in wechselnden Zeiten betrachtet der Mensch sich selbst als feste Konstante, richtet die Dinge mit dem Glauben an die Ewigkeit neu ein, bricht dabei alle Spielregeln, bricht die Ordnung, an die er sich eigentlich anpassen müsste – und tut es doch.
JUDIT KOMLODI ist eine philosophische Schaffende. Woran sie auch arbeitet – ob sie malt, Kostüme entwirft, Puppen herstellt oder Installationen schafft – sie sucht und erforscht stets das Warum der Erscheinungen. Dieses Verstehenwollen durchzieht all ihre Arbeiten, ebenso wie die Sorge um die Lebewesen, um das Verschwinden von Schönheit und Harmonie.
Sie ist keine gewöhnliche Künstlerin. Auch die Bildwelten, die sie uns zeigt, sind alles andere als alltäglich. Eine Welt, die auf den ersten Blick verspielt und bunt erscheint, birgt tiefe Stille, unterdrückte Gefühle, von Spannung erfüllte Unvereinbarkeiten. Die Verflechtung von Maschine und Mensch, das Aufeinander- und Ineinander-Aufbauen, macht die Freiheit der Seele unmöglich und setzt dem Menschen immer mehr Grenzen. Statt der erhofften Freiheit durch diese Fusion finden wir uns eingeschlossen wieder. Anstatt Befreiung türmen sich immer mehr unverarbeitete Informationen auf, und neben der Verwirrung der Fülle stumpft der Geist ab, der die innere Leere vielleicht noch wahrnehmen könnte.
Einsam schweben wir in einem seltsamen Raum, der uns vertraut erscheint, ohne uns umzusehen, um zu erkennen, dass sich diese Gewohnheit mit jedem Augenblick verändert.