GUT STUDIO

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Interdisziplinäre Kunstwerkstatt im Herzen von Graz

Ein Theater muss her. Das pochte in unseren Herzen, als wir zu fünft das Grazer Ungarisches Theater gründeten. Eine kleine Gruppe – doch wirklich spannende, innovative und schicksalhafte künstlerische Werkstätten bestanden immer nur aus wenigen Menschen.

Schaffen kann man nicht in der Masse. Gedanken brauchen Raum, zu ihrer Verwirklichung Zeit, und beides wird durch ernsthafte schöpferische Arbeit miteinander verbunden.

Die Gründung der Werkstatt fand im letzten Jahr des ersten Viertels des 21. Jahrhunderts statt. In einer Epoche, die mit nichts zu vergleichen ist, was der Mensch hier auf der Erde bisher erlebt hat. Im wahrsten Sinne mit nichts.

Die Aufgabe des Theaters war es immer, mit den Mitteln von Humor und Drama der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, die menschlichen Schwächen zu zeigen und zu karikieren. Die menschlichen Beziehungen zu analysieren.

Aber was passiert, wenn sich die Welt so sehr verändert, dass nichts mehr gültig ist, was früher selbstverständlich war? Was geschieht, wenn die Beziehungen der Menschen zueinander nicht einmal mehr im Ansatz den Verhaltensnormen des vergangenen Jahrhunderts ähneln?

Ihre Reizschwelle hat sich verändert, ihre Geduld, ihr Verhältnis zur Zeit.

In einer solchen Situation kann es sich die Kunst nicht leisten, nicht zu reagieren. Auf gesellschaftliche Veränderungen muss gerade das Theater am stärksten reagieren, denn das Theater ist ein lebendiger Organismus. Echte Menschen sprechen echte Worte zu echten Menschen. Was könnte lebendiger sein als das?

Aber was geschieht, wenn in der Wirklichkeit keine echten Menschen mehr mit echten Menschen sprechen? Wenn – und das ist unausweichlich und unwiderruflich geschehen – eine künstliche Intelligenz in unser Leben eingetreten ist, die langsam im Leben des einzelnen Menschen die Rolle eines anderen Menschen übernimmt.

Wir bitten sie um Rat, wir betreiben mit ihr Recherche, sammeln durch sie Informationen, häufen Wissen an, erstellen Bilder, schreiben Texte mit ihrer Hilfe, und ja – manchmal unterhalten wir uns einfach nur mit ihr. Mit einer Maschine.

Sie fühlt nicht, sie denkt nur. Aber sie spricht, als würde sie fühlen. Sie ist immer für uns da, sie hört immer zu, sie antwortet immer, sie ist immer geduldig, immer anschmiegsam, immer unterstützend – und sie wird niemals müde.

Das schreibt die menschliche Kommunikation ziemlich grundlegend neu.

Und wie kann man in dieser von Virtualität durchzogenen, sich immer weiter von der Wirklichkeit entfernenden Welt Theater machen? Aus künstlerischer Sicht ist das die wichtigste Frage, denn auf die Frage, ob die Menschen Kunst brauchen, antwortet jeder Künstler mit Ja.

Das Wie jedoch muss in kleinen Studios formuliert und im Rahmen experimenteller Werkstattarbeit ausgearbeitet werden.